Umweltbonus: Förderung der Elektromobilität in Deutschland

digitale Autozeichnung aus Polygonen

Kauf und Leasing eines Elektroautos werden in Deutschland staatlich gefördert. Erfahren Sie an dieser Stelle, welche Voraussetzungen Sie erfüllen müssen, um eine Förderung zu erhalten, wie hoch diese ausfällt und wie das Förderprogramm in Deutschland angenommen wird.

15. Oktober 2020

Wie und warum fördert der Staat den Erwerb von Elektroautos?

Der deutsche Staat verfolgt das Ziel, dass 2020 über eine Millionen Elektroautos auf Deutschlands Straßen fahren. Mit dem Wissen, dass die hohen Preise viele Menschen vor dem Erwerb (Kauf oder Leasing) eines Elektroautos zurückschrecken lassen, haben sich Staat und Automobilhersteller zusammengeschlossen und ein Förderprogramm entwickelt, um den Erwerb eines Elektroautos finanziell zu unterstützen und attraktiver zu machen.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bietet seit Juli 2017 einen staatlich geförderten Umweltbonus für den Erwerb eines neuzugelassenen Elektroautos an. Das Förderprogramm beläuft sich auf ein Gesamtkapital von 1,2 Milliarden Euro und endet im Juni 2019. Die finanziellen Zuschüsse werden je zur Hälfte vom Staat und den Automobilherstellern übernommen. Mithilfe des Umweltbonus soll der Erwerb eines Elektroautos ansprechender gestaltet werden, um den Absatz neuer Elektroautos zu fördern und eine nachhaltigere Energie- und Verkehrspolitik zu etablieren. Das vorläufige Ziel ist, den Erwerb von 300.000 Elektroautos mithilfe des Umweltbonus zu fördern.

Wie hoch ist der Umweltbonus?

Die Höhe der Förderung hängt vom CO2-Ausstoß des Elektroautos ab. Der Erwerb eines reinen Elektroautos, von denen derzeit über 150 Modelle angeboten werden, wird mit 4.000 € gefördert. Dieselbe Förderungshöhe wird dem Käufer eines Brennstoffzellenautos erstattet. Das Angebot an Brennstoffzellenautos ist bisher allerdings mit zwei erhältlichen Modellen noch sehr klein. Ein Plugin-Hybrid-Auto, von dem über 50 Modelle auf dem Markt sind, wird hingegen nur mit 3.000 € gefördert, weil es im Gegensatz zu den beiden anderen Fahrzeugtypen CO2 während der Fahrt ausstößt.

Wie bekommt man den Umweltbonus?

Um den Umweltbonus zu erhalten, muss ein Antrags­berechtigter die Förderungsvoraussetzungen erfüllen und einen ordnungsgemäßen Antrag bei der BAFA stellen.

Antragsberechtigung

Antragsberechtigt sind Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen, Körperschaften und Vereine, auf die das Elektroauto zugelassen ist. Die Bevollmächtigung eines Dritten ist gestattet.

Förderungsvoraussetzung: Erwerb eines erstzugelassenen, förderfähigen Elektroautos

A | Förderfähigkeit des Elektroautos

Förderfähig ist nur der Erwerb bestimmter Elektroautos. Es muss sich bei dem Auto um ein

  • reines Batterie-Elektroauto
  • Plugin-Hybrid-Auto oder
  • Brennstoffzellenauto

handeln, das keine lokalen CO2 Emissionen ausstößt und weniger als 50 g CO2 pro km emittiert. Der Netto-Listenpreis des Basismodells darf nicht mehr als 60.000 € betragen, weshalb der Erwerb eines Tesla Model S mit einem Netto-Listenpreis von mindestens 100.000 € seit Januar 2019 nicht mehr gefördert wird.

Das BAFA hat zur Übersicht eine Liste aller förderfähigen Elektroautos veröffentlicht.

B | Inländische Neuzulassung

Die Förderung setzt voraus, dass das Elektroauto im Inland erstmalig auf den Anspruchssteller zugelassen ist und die Zulassung für mindestens sechs Monate besteht. Der Erwerb und die Zulassung müssen an oder nach dem 18. Mai 2016 stattgefunden haben bzw. stattfinden.

Ordnungsgemäße Antragsstellung

Die Antragsstellung erfolgt in einem zweistufigen Verfahren und ist nur elektronisch gestattet. Die einzureichenden Dokumente sind als Kopie hochzuladen.

A | Einreichung des Antrags

Im ersten Schritt muss der Antrag auf Förderung eines Elektroautos elektronisch über das Portal der BAFA eingereicht werden.

Mit dem Antrag ist der Kauf- oder Leasingvertrag hochzuladen, der nach Vorgabe des BAFA folgende Mindestinhalte aufweisen muss:

  • Modellbezeichnung mit Bezug auf Liste der förderfähigen Elektroautos
  • Netto-Kaufpreis für das Basis-Fahrzeugmodell ohne Sonderausstattung
  • Eigenanteil des Automobilherstellers am Umweltbonus
  • Gesonderte Auflistung von Sonder- und Zusatzausstattung

Als Besonderheit ist dem Leasingvertrag eine Berechnung der monatlichen Leasingrate abzüglich des Umweltbonus beizufügen. Wird der Antrag vom BAFA angenommen, ergeht ein Zuwendungsbescheid. Der Erwerb und die Zulassung müssen spätestens neun Monate nach Zugang des Zuwendungsbescheids abgeschlossen sein.

B | Verwendungsnachweis

Die zweite Stufe des Antragsverfahrens setzt zwingend einen Zuwendungsbescheid voraus. Der Verwendungsnachweis muss innerhalb eines Monats nach Eingang des Antrags beim BAFA eingereicht werden. Im Verwendungsnachweisverfahren müssen die Rechnung (nur beim Kauf) und die Zulassungsbescheinigung hochgeladen werden. Dem Antragssteller wird eine Verwendungsnachweiserklärung angezeigt, die er unterschrieben, schriftlich oder elektronisch an das BAFA schicken muss. Mit Eingang der unterschriebenen Nachweiserklärung wird der Verwendungsnachweis erbracht. Wird er anschließend vom BAFA angenommen, wird der Bundesanteil des Umweltbonus an den Antragssteller ausgezahlt.

Um mehr Informationen zum Förderungsanspruch zu erhalten, wenden Sie sich an das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrollen:

Elektromobilität
Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle
Referat 422 – Steinkohleförderung/Anpassungsgeld – Umweltbonus, Elektromobilität, Einfuhr
Frankfurter Straße 29 – 35
65760 Eschborn
Telefon: 06196 908-1009
Internetseite

Zwischenbilanz des Umweltbonus

Das BAFA hat am 28. Februar 2019 eine Zwischenbilanz des Umweltbonus veröffentlicht.

Insgesamt sind 103.097 Anträge beim BAFA eingegangen. 67.014 Anträge, also über 60 % der Anträge, sind für den Erwerb eines reinen Elektroautos gestellt worden. Die meisten Anträge, zusammengerechnet 98 % der Anträge, haben Unternehmen und Privatpersonen beantragt.

Nach der Zwischenbilanz zu urteilen, sind erst gut ein Drittel der gewünschten Elektroautos gefördert worden, weshalb noch viel Förderkapital vorhanden ist. Durch das im Jahr 2019 ansteigende Angebot an Elektroautos ist zu erwarten, dass auch die Förderungsnachfrage ansteigt. Eine Verlängerung des Förderprogramms ist demnach wahrscheinlich und wird vom Staat gewünscht. Eine verbindliche Aussage zu den zukünftigen Plänen ist in den kommenden Monaten zu erwarten.

Kritik am Umweltbonus

Der Umweltbonus wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Kritisiert wird insbesondere, dass der Umweltbonus durch allgemeine Steuereinnahmen finanziert wird und deshalb anderweitige Ausgaben­verkürzungen notwendig sind. Zudem wird bemängelt, dass der Umweltbonus nur den Erwerb von Neuwagen, nicht aber den Erwerb von preiswerteren Gebrauchtwagen und Kleinfahrzeugen fördert. Kritiker wünschen sich außerdem, dass Plugin-Hybrid-Autos gar nicht mehr gefördert werden, weil es dem Ziel der Elektromobilität, CO2-Ausstöße zu verringern, widerspreche.

Steuervorteile zur Förderung des Elektro­autos nach dem Erwerb

Steuerbefreiung für reine Elektroautos und Brennstoffzellenautos

Auch nach dem Erwerb werden reine Elektroautos und Brennstoffzellenautos durch eine Steuerbefreiung weiter gefördert. Die Fahrzeuge, die erstmalig zwischen dem 18. Mai 2011 und 31. Dezember 2020 zugelassen worden sind bzw. zugelassen werden, werden für einen Zeitraum von 10 Jahren von der Kfz-Steuer befreit. Ist ein Fahrzeug vor dem Stichtag zugelassen worden, dann wird der Käufer noch für fünf Jahre von der Kfz-Steuer befreit.

Hybriden sind von der Steuerbefreiung ausgenommen. Ein Halterwechsel ist für die Steuerbefreiung unbeachtlich, allein die zeitliche Rechnung ist auschlaggebend. Auch nach Ablauf des Zeitraums der Steuerbefreiung müssen nur 50 % des Steuersatzes gezahlt werden.

Steuerbegünstigung für Elektroautos als Dienstwagen

Seit Januar 2019 gibt es zudem einen Steuervorteil für die private Nutzung eines elektrisch betriebenen Dienstwagens. Nach alter Rechtslage ist die private Nutzung mit 1 % des Brutto-Listenpreises versteuert worden. Nun ist der fällige Steuersatz für elektrisch betriebene Dienstwagen, die zwischen dem 1. Januar 2019 und dem 31. Dezember 2021 erworben worden sind, bzw. erworben werden, halbiert worden. Er beträgt also nur noch 0,5 %. Steuerbegünstigt werden reine Elektroautos und Brennstoffzellenautos. Hybriden werden nur begünstigt, wenn die Ladung extern erfolgt, das Auto weniger als 50 g CO2 pro km emittiert und eine Reichweite von mindestens 40 km hat.

Neben dem Erwerb eines Elektroautos und der Steuerbefreiung und -begünstigung wird auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur gefördert. Für mehr Informationen dazu empfehlen wir Ihnen unseren Artikel zum Thema „Förderung von Ladeinfrastruktur in der Elektromobilität“.

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