Geringe Reichweite als Argument gegen ein Elektroauto?

eine Straße beim Sonnenuntergang

Sie spielen mit dem Gedanken ein Elektroauto zu kaufen, haben aber Bedenken, ob die Reichweite eines Elektroautos für Ihren alltäglichen Gebrauch ausreicht? Erfahren Sie an dieser Stelle, anhand welcher Faktoren die Reichweite bemessen wird, welche Reichweite gängige Automodelle aufweisen sowie Tipps, wie Sie die Reichweite des Elektroautos erhöhen können.

18. Juni 2020

Wie bemisst sich die Reichweite eines Elektroautos?

Viele Interessenten eines Elektroautos entscheiden sich gegen den Kauf eines Elektroautos, weil sie der Überzeugung sind, dass die Reichweite eines Elektroautos nicht alltagstauglich ist. Vor einigen Jahren mögen die Bedenken noch zugetroffen haben, heutzutage dürfte die Alltagstauglichkeit jedoch aufgrund des fortschrittlichen Entwicklungsstandes gewährleistet sein. Die Elektroauto-Batterie wird ständig optimiert und somit auch eine höhere Reichweite erzielt.

Die Reichweite eines Elektroautos gibt Aufschluss darüber, wie viele Kilometer ein Elektroauto nach dem Ladevorgang fahren kann, bis es erneut aufgeladen werden muss. Sie ist abhängig vom Energieverbrauch und der Batteriekapazität und wird durch die Fahrweise, die Verkehrssituation, die Wetterlage und den Energieverbrauch des Zubehörs wie der Heizung beeinflusst.

Als grobe Richtlinie dient die folgende Formel:

Reichweite = Batteriekapazität / Energieverbrauch (pro 100 km) * 100

Beispielsweise erzielt ein Fahrzeug mit einer 45 kWh Batterie und einem Energieverbrauch von 16 kWh/ 100 km laut Formel eine Reichweite von ungefähr 280 km (realistisch ist unter Berücksichtigung der individuellen Fahrweise wohl eher eine Reichweite von 200 km).

Für mehr Informationen über die Elektroauto-Batterie und die Batteriekapazität, empfehlen wir Ihnen unsere Artikel zu den Themen: „Elektroauto-Batterie“ und „Wie lange benötigt ein Elektroauto zum Laden“.

Messverfahren: Realistische Reichweite

Die Automobilhersteller geben die Reichweite uneinheitlich mal in NEFZ, mal in WLTP oder mal in NEFZ und WLTP an, doch wofür stehen diese Abkürzungen eigentlich? Es handelt sich hierbei um Messverfahren zur Ermittlung der Reichweite eines Elektroautos.

NEFZ

NEFZ ist die Abkürzung für „Neuer Europäischer Fahrzyklus“. Das NEFZ-Messverfahren ist älter und aktuell noch verbreiteter als das WLTP-Messverfahren und läuft wie folgt ab: In einer 20-minütigen Prüfung, in der das Testfahrzeug über eine Strecke von 11 km mit durchschnittlich 35 km/h fährt, wird die Reichweite ermittelt. Radio, Klimaanlage und Sitzheizung sind während der Prüfung ausgeschaltet. Das Fahrzeug wird minimal beladen, nur langsam beschleunigt sowie vorsichtig abgebremst. Dementsprechend ist die Bemessung der Reichweite nach dem NEFZ-Messverfahren sehr realitätsfern.

WLTP

WLTP steht für „Worldwide harmonized Light-duty Test Procedure“ und ist das neue europaweite Standardmessverfahren. Seit September 2018 ist das WLTP-Messverfahren für Neuwagen vorgeschrieben. Die Reichweite älterer Modelle, die bislang noch im NLTP-Messverfahren ermittelt worden sind, sollen Schritt für Schritt auf das WLTP-Messverfahren umgestellt werden. Ab 2021 darf die Reichweite, nach Vorgaben der Europäischen Kommission, dann endgültig nicht mehr nach dem NEFZ-Messverfahren ermittelt und angegeben werden. Ziel der Umstellung ist eine einheitliche und realitätsnähere Reichweitenangabe der Automobilhersteller. Das WLTP-Messverfahren besteht aus einer 30-minütigen Prüfung, innerhalb der das Testfahrzeug 23,25 km zurücklegt. Bei der Fahrt werden das Fahrzeuggewicht und der Strombedarf berücksichtigt. Zudem wird das Fahrzeug schneller und variabler gefahren und beschleunigt. Als weitere Neuerung muss der Automobilhersteller nun für jede Ausstattungsvariante ein WLTP-Messverfahren durchführen.

Fazit: WLTP statt NEFZ

Auch wenn ein großes Durcheinander in der Umstellungsphase herrscht, ist die Umstellung auf das WLTP-Messverfahren dennoch erfolgsversprechend und vor allem nur zeitlich begrenzt. Mit dem WLTP-Messverfahren wird verglichen mit dem NEFZ-Messverfahren ein wesentlich genauerer und praxisnäherer Messwert ermittelt, der aber trotzdem je nach Verkehrssituation, Wetterlage und Fahrweise noch variieren kann.

Entwicklung und Vergleich der Reichweite

Die ersten Elektroautos, die um 1900 auf den Straßen gefahren sind, hatten eine Reichweite von bis zu 100 km. Seitdem hat sich die Technik erheblich weiterentwickelt. Mittlerweile werden immer größere und leistungsfähigere Elektroauto-Batterien gebaut, die eine höhere Reichweite erzielen können. Der Renault Zoe von 2007 hat beispielsweise eine Reichweite von 400 km, während sein Vorgängermodell noch eine maximale Reichweite von 240 km aufwies. Heutzutage werden Elektroautos mit bis zu 600 km Reichweite angeboten, wobei bereits Elektroautos mit Reichweiten im mittleren Segment (200-400 km) im Gegensatz zu früher zu erschwinglichen Preisen erhältlich sind.

In unserem Artikel zum Thema „Elektromobilität in Deutschland“ erhalten Sie einen Überblick darüber, mit welchen Reichweiten die 2019 angebotenen Elektroautos ausgestattet sind.

Einen Schritt weitergedacht stehen Interessenten nicht nur der Reichweite an sich skeptisch gegenüber, sondern auch den zur Verfügung stehenden Lademöglichkeiten.

Würde der Ladevorgang flexibler gestaltet werden, indem z.B. an den Orten an denen sich Menschen in ihrem Alltag aufhalten, wie beim Arbeitgeber oder vor Einkaufszentren, Lademöglichkeiten bereitgestellt werden, würde die Gefahr einer unzureichenden Reichweite umgangen werden. In Deutschland wird der Ausbau der Ladeinfrastruktur durch den Bund gefördert. Die größten Pluspunkte des Förderprogramms sind zum einen, dass immer mehr öffentliche Schnellladestationen entstehen und zum anderen, dass auch der Kauf von Ladesäulen durch Unternehmen und Privatpersonen unterstützt wird.

Für mehr Informationen zur Förderung der Ladeinfrastruktur, empfehlen wir Ihnen unseren Artikel zum Thema „Förderung von Ladeinfrastruktur in der Elektromobilität“.

Welche Reichweite benötigen die Deutschen im Alltag?

Angaben der Mobilitätsstudie „Mobilität in Deutschland (MiD) 2017“ zufolge, die vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur durchgeführt und seit Juni 2018 veröffentlich wird, legt eine Person täglich durchschnittlich 39 km zurück. Diese Reichweite könnte selbst der Renault Twizzy mit seiner vergleichsweise geringen Reichweite von 50 km erreichen, kann also von jedem Elektroauto mühelos gestemmt werden.

Tipps zur Erhöhung der Reichweite

Schutz vor extremen Temperaturen

Extreme Temperaturen entladen die Batterie eines Elektroautos schneller. Deshalb sollte das Elektroauto im Sommer und im Winter besonders geschützt werden, z.B. im Sommer im Schatten und im Winter in der Garage geparkt werden. Vorteilhaft ist im Winter eine Batteriebeheizung, mit der die Elektroautos teilweise ausgestattet sind.

Vorausschauendes Fahren

Starke Beschleunigungen, hohe Geschwindigkeiten sowie starkes Abbremsen beschleunigen den Entladevorgang der Elektroauto-Batterie, sodass auch die Reichweite des Elektroautos schneller sinkt. Je konstanter man fährt, desto länger hält die Ladung der Batterie.

Rekuperation

Die Rekuperation ist ein technisches Verfahren zur Energierückgewinnung, das in modernen Elektroautos integriert ist. Die Gewinnung zusätzlicher Energie verringert den Energieverbrauch der Elektroauto-Batterie.

Technisches Zubehör ausschalten

Technisches Zubehör, wie Klimaanlage, Beleuchtung und Heizung, verbrauchen viel Energie, weshalb es sich empfiehlt, dieses nach Möglichkeit auszuschalten. Wenn ein Ausschalten der Heizung wie bei Minusgraden unmöglich ist, ist es ratsam, statt der Innenraumheizung die Sitz- und Lenkradheizung anzuschalten, die wesentlich effektiver arbeitet.

Fazit: Spricht die Reich­weite gegen den Kauf eines Elektroautos?

Die Angst vor einer zu geringen Reichweite ist wie sich gezeigt hat zumindest im Alltag unbegründet. Grund dafür ist zum einen die erhöhte Reichweite eines Elektroautos.

Nach jetzigem Stand der Technik können durchschnittliche Alltagswege bereits problemlos überwunden werden und in den nächsten Jahren soll die Reichweite des Elektroautos noch weiter gesteigert werden. Zum anderen wird der Ladeprozess immer flexibler und zeitsparender gestaltet, sodass auch der Ladevorgang kein Kaufhindernis mehr darstellt.

Unserer Ansicht nach empfiehlt sich eine Ladestation für zuhause zur Erleichterung des alltäglichen Gebrauchs eines Elektroautos. Sie hat den Vorteil, dass sie für den Nutzer im Gegensatz zu einer öffentlichen Ladestation jederzeit verfügbar ist. Zudem lädt die Elektroauto-Batterie an einer Ladestation für zuhause um ein Vielfaches schneller auf als an einer herkömmlichen Haushaltssteckdose. Der Ladevorgang kann praktischerweise nachts getätigt werden, wenn das Elektroauto in der Regel sowieso nicht benötigt wird.

Wir von hesotec electrify bieten mit unserer eSat-Serie Ladesäulen für zuhause an. Weitere Informationen finden Sie in unserer Produktübersicht.

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